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Selbstverständnisse


Ein alter jüdischer Witz besagt: "Wo zwei Juden zusammen sind, wird man drei Meinungen finden."

Walter Rathenau – Büste von Benno Elkan Walter Rathenau – Büste des Künstlers Benno Elkan aus Dortmund.
(Leihgabe im Jüdischen Museum Westfalen)
Es ist nicht einfach zu definieren, was Judentum bedeutet: Juden selbst haben über das Wesen der jüdischen Identität debattiert und diskutieren darüber noch heute. So ist es angesichts der Vielfalt dessen, was unter Judentum zu verstehen ist, und vor allem aufgrund der verschiedenen Entwicklungen innerhalb der jüdischen Gemeinden, sinnvoll, von jüdischen Selbstverständnissen in der Mehrzahl zu sprechen.

Verschiedene Richtungen


Vor allem seit der Haskala, der jüdischen Aufklärung, und den europäischen Entwicklungen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert – Aufklärung, Französische Revolution, Emanzipation diesen Begriff im Glossar nachschlagen, Liberalismus, um nur einige Stichwörter zu nennen – kam es innerhalb des europäischen Judentums zur Ausformung verschiedener religiöser und politischer Strömungen.

Jüdische Aufklärer gaben den Anstoß dazu, die religiösen Traditionen zu hinterfragen und eine neue Standortbestimmung der jüdischen Gemeinschaft zu versuchen. Säkulare Tendenzen, vor allem auch in der Bildung, wurden immer stärker und erleichterten Annäherungen an die christliche Umwelt. Damit einher gingen Fragen nach der Beibehaltung einer eigenen jüdischen Identität und danach, was diese überhaupt ausmache. Die Antworten, die darauf gegeben wurden, waren unterschiedlich. Von außen wurde im Zuge der Emanzipationsbestrebungen von den Juden gefordert, in der Mehrheitsgesellschaft aufzugehen, sich zu assimilieren – dann könnten sie, so die Argumentation, gleichberechtigte Bürger werden. Doch kam diese Tendenz nicht nur als Druck von außen: Viele deutsche und niederländische Juden fühlten sich in erster Linie als deutsche oder niederländische Staatsbürger, die eben auch Juden waren.
Der Jüdische Klub im Wiener Reichsrat Der Jüdische Klub im Wiener Reichsrat, 1907–1911, der erste nationale jüdische Klub in der Geschichte des Parlamentarismus.
Foto: Jüdisches Historisches Institut in Warschau
Der Dortmunder Rabbiner Benno Jacob war ein Patriot, der davon ausging: "Ein Deutscher ist, wer Deutscher sein will." Der Schriftsteller und Lehrer Jakob Loewenberg fragte sich angesichts seiner Ausgrenzung aus dem Staatsdienst, ob die Taufe eine Lösung sein könne. Die niederländische Sängerin Julia Culp, die es mit ihren Auftritten bis ins Weiße Haus schaffte, verleugnete niemals, dass sie Jüdin war.

Neue Definitionen


Eine zweite Entwicklung hatte die innerjüdischen Diskussionen bereits zuvor hervorgerufen und verstärkte sie jetzt noch: Anfeindungen von außerhalb ließen immer mehr Juden nach neuen Selbstdefinitionen suchen. Suchten die einen Trost im Chaddismus diesen Begriff im Glossar nachschlagen, hielten die Orthodoxen streng an den überlieferten Traditionen fest. Andere sahen im Zionismus  diesen Begriff im Glossar nachschlagen die Lösung ihrer Probleme, wieder andere in einem reformierten Judentum, das eine weitgehende Akkulturation an die christliche Mehrheitsgesellschaft ermöglichte. Vor allem ist im ausgehenden 19. Jahrhundert eine starke Politisierung des europäischen Judentums zu beobachten.

Wurde in Westfalen im 19. Jahrhundert über Reformen und die Bedeutung des Rabbinats gestritten, so werden uns aus der Groninger Region verschiedene Anhänger des Zionismus vorgestellt. Der niederländische Jude Leo Frank dagegen wandelte sich im Laufe seines politischen Lebens vom Zionisten zum Sozialisten.

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