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Juden in Lublin


Die Region um Lublin nimmt in der Geschichte der Juden in Polen einen besonderen Platz ein.

Das traditionelle Wappen des jüdischen Viertels in Lublin Das traditionelle Wappen des jüdischen Viertels in Lublin
Lublin selbst gehörte zu den berühmtesten jüdischen Religions-, Kultur-, und Wirtschaftszentren, die in diesem Teil Europas entstanden sind. Neben Rabbinern wohnten hier berühmte Ärzte, königliche Hofdiener, große Kaufleute und viele, die eine zentrale Rolle in der Gemeinde und im Judentum gespielt haben. Deshalb wurde Lublin in Polen auch "Jerusalem des Königsreichs Polen" oder "Jüdisches Oxford" genannt.

Schon Anfang des 14. Jahrhunderts, also unter der Herrschaft von Kasimir dem Großen, ließen sich Juden in Lublin nieder. Die Sage überliefert, dass das mit der Ankunft des Rabbiners Jakob aus Trient zusammenhängt. Anfang des 15. Jahrhunderts begannen sie sich auch in den größeren Städten der Region um Lublin anzusiedeln, wie zum Beispiel in Chełm, Krasnystaw, Kraśnik, Łęczna, Bychawa, Józefów, Lubartów oder Kazimierz Dolny an der Weichsel.

Polen nimmt Flüchtlinge auf


Viele Juden wurden Anfang des 16. Jahrhunderts aus Deutschland, Österreich und aus Tschechien vertrieben. Der polnische König Sigismund I. Jagiello nahm diese Flüchtlinge gerne auf, da sie sowohl Geld als auch Wissen mit nach Polen brachten und die Kultur dadurch bereicherten. Zu diesem Zeitpunkt entstand in Lublin das etwas abseits gelegene Viertel um den Schlosshügel, das sich im Laufe der Zeit zum jüdischen Stadtteil entwickelte.
Ansicht des jüdischen Viertels Das jüdische Viertel in Lublin in den 1930er Jahren, Fotograf unbekannt.
Foto: "Brama Grodzka – Teatr NN"
Die Hauptstraße – Zentrum des wirtschaftlichen, politischen und religiösen Lebens – war die Szeroka-Straße. Hier befanden sich die prächtigen Synagogen und Bethäuser.

Im eigentlichen Stadtzentrum Lublins durften sich die Juden nicht ansiedeln, das untersagte ihnen das königliche Dekret "De non tolerandis Judaeis". Die Bürger Lublins fürchteten sich vor einer größeren jüdischen Konkurrenz im Handel, deshalb hatten sie an den König appelliert, dass er den Juden den Handel innerhalb der Stadtmauern untersage. Dadurch war es den Juden weder möglich, in der Stadt zu wohnen, noch Geschäftsräume zu mieten.

Morde und Vertreibung


Die Kriege im 17. Jahrhundert, besonders der Kosakenaufstand unter Bogdan Chmielnicki, führten dazu, dass die meisten Städte und Dörfer in der Lubliner Region geplündert wurden und viele Menschen, unter ihnen zahlreiche Juden, ermordet wurden. Die Kriege verstärkten auch die Feindseligkeit zwischen Polen und Juden. Der jüdische Handel wurde vollständig aus dem Stadtzentrum verdrängt und auf den jüdischen Stadtteil beschränkt.

Der Kampf um die Vertreibung der Juden, die einst in der Stadt gewohnt hatten, zog sich über Jahre. Juden begannen in der Folge an den Rändern der Städte zu siedeln, in Lublin in Wieniawa, Kalinowszczyzna oder in Piaski.
Synagoge in Kurów Die Synagoge in Kurów in den 1920er Jahren. Fotograf unbekannt.
Foto: "Brama Grodzka – Teatr NN"
Erst im Jahre 1862 war es ihnen auf Grund des Dekretes über die Gleichberechtigung der Juden in der Gesellschaft möglich, sich überall frei niederzulassen. Das hatte zur Folge, dass sich der jüdische Stadtteil auf die Altstadt ausweitete, da die jüdische Bevölkerung dort, in der Nähe des ursprünglichen Viertels, Immobilien kaufte.

Hälfte der Einwohner Juden


Während des 19. Jahrhunderts machten die Juden fast die Hälfte der Einwohner Lublins (ungefähr 48,3 Prozent) aus. Ähnlich war es auch in anderen Städten in der Lubliner Region, wo 50 Prozent zum Teil sogar überschritten wurden. Viele Juden waren einfache Arbeiter oder im Handel oder Handwerk beschäftigt. Nur manche hatten eigene Immobilien oder waren in der Industrie tätig. Diese Situation blieb bis ins 20. Jahrhundert unverändert. Die Mehrheit war im Handel und Handwerk, in der Kleidungs- und Galanterieindustrie beschäftigt. Es überwogen kleine Läden und Werkstätten, in denen meistens nur die Familienmitglieder des Besitzers arbeiteten.

Vernichtung


Im Zweiten Weltkrieg wurde die jüdische Gemeinschaft in der Lubliner Region vollständig vernichtet. Die jüdische Bevölkerung war von Anfang an Gewalt und Terror seitens der deutschen Besatzer ausgesetzt und jegliche Rechte wurden ihr abgesprochen. Ab November 1939 mussten alle Juden den Davidstern tragen, damit sofort erkennbar war, wer jüdisch war. Auch die Geschäfte mussten gekennzeichnet werden.

Im Jahre 1940 begannen die Nationalsozialisten, die Juden aus den "christlichen Vierteln" der Stadt und den Dörfern innerhalb der Lubliner Region zu vertreiben. Es wurden abgeschlossene Viertel errichtet, sogenannte Ghettos, in denen man die Juden zusammenpferchte. Von dort aus wurden sie in die Vernichtungslager Bełżec, Sobibór und Majdanek deportiert.

Nur Trümmer blieben


Die Nationalsozialisten haben alle kulturellen Einrichtungen und religiösen Gebäude der Juden zerstört und aus dem Stadtbild entfernt. Das jüdische Viertel in Lublin lag ebenso wie in anderen Städten in Trümmern.

Heute wohnen in Lublin kaum noch Juden. Der alte jüdische Friedhof und das Gebäude der Jeschiwa in Lublin, der Friedhof in Bełżec, die Synagogen in Bychawa, Kurów, Kraśnik oder Łęczna - das sind einige wenige Überbleibsel des jüdischen Lebens in der Lubliner Region. Sie erinnern uns daran, dass die Geschichte der jüdischen Minderheit Teil unserer Geschichte ist. Deshalb ist die Erinnerungsarbeit und der Schutz dessen, was noch nicht vollständig zerstört oder vergessen wurde, so wichtig.

Geschichten aus der Region


Grabstein von Shalom Shachna auf dem alten jüdischen Friedhof in Lublin

Die Maharshal–Synagoge in der Jateczna-Straße in Lublin

Ansicht auf die Saul Wahl-Synagoge in Lublin

Der alte jüdische Grabstein auf dem Lubliner Friedhof

Der Brunnen aus der Szeroka-Straße

Gesamtansicht der Schneider-Straße

Panorama von Lublin

Pesa Rosenzweig mit ihren Kindern Izaak Lejb, Mosko Aron und Miriam.

Bella Nissenbaum

Titelseite der Zeitung "Lubliner Tugblatt"

Der alte jüdische Grabstein auf dem Lubliner Friedhof

Fragment des Manuskripts der Erzählung "Androginus" von Isaac Bashevis Singer

Aktuelles Foto des Gebäudes der Jeschiwa Chachmej Lublin

Chaim Zylberklang in Żółkiewka

Panorama des jüdischen Stadtviertels in Lublin