Juden in Groningen
Das Städtchen Appingedam kannte seit 1563 eine fast ununterbrochene Ansiedlung von Juden.
(RHC GrA Tg 136 invnr. 530)
In jenem Jahr erhielten der in Prag geborene Muesken und seine Familie von der Stadtverwaltung Appingedam die Genehmigung, für eine Periode von sechs Jahren in der Stadt zu wohnen und ein Leihhaus zu betreiben. In Appingedam entstand sogar eine kleine Jüdische Gemeinde.
Fast das ganze 17. Jahrhundert über versuchte die "Hervormde Kerk" (Reformierte Kirche), die in der Provinz Groningen eine starke anti-jüdische Haltung zeigte, ihren Einfluss bei den weltlichen Autoritäten geltend zu machen, um der Ansiedlung von Juden entgegenzutreten. Sie fand dafür jedoch kein Gehör.
Am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließen sich im Südosten der Provinz ("die Moorkolonien") viele Juden nieder. Es entstanden zahlreiche Jüdische Gemeinden. Auch in der Stadt Groningen siedelten sich allmählich wieder Juden an. Aber nach Anschuldigungen der Hehlerei wurden die Juden 1711 auf ewig aus der Stadt und dem umliegenden Land verbannt. Dieses Verbot wurde nicht streng gehandhabt. Im Jahre 1731 pachtete der Amsterdamer Jude Mozes Goldsmid ein Leihhaus in der Stadt Groningen. Seine Schwiegersöhne sollen die eigentlichen Gründer der Kehilla Groningen sein.
Juden durften sich nicht frei niederlassen. Sie mussten dafür die Genehmigung der zuständigen Behörden einholen. Übrigens galten für Nicht-Juden die gleichen Verfahren und Regeln. In Bezug auf die Ausübung eines Berufes galten für Juden jedoch Sonderregeln. Auf dem Land war ihnen ausschließlich das Schlachten, der Verkauf von Fleisch sowie der Handel erlaubt. In der Stadt durften sie nur im freien Handel tätig sein.
Fast das ganze 17. Jahrhundert über versuchte die "Hervormde Kerk" (Reformierte Kirche), die in der Provinz Groningen eine starke anti-jüdische Haltung zeigte, ihren Einfluss bei den weltlichen Autoritäten geltend zu machen, um der Ansiedlung von Juden entgegenzutreten. Sie fand dafür jedoch kein Gehör.
Am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließen sich im Südosten der Provinz ("die Moorkolonien") viele Juden nieder. Es entstanden zahlreiche Jüdische Gemeinden. Auch in der Stadt Groningen siedelten sich allmählich wieder Juden an. Aber nach Anschuldigungen der Hehlerei wurden die Juden 1711 auf ewig aus der Stadt und dem umliegenden Land verbannt. Dieses Verbot wurde nicht streng gehandhabt. Im Jahre 1731 pachtete der Amsterdamer Jude Mozes Goldsmid ein Leihhaus in der Stadt Groningen. Seine Schwiegersöhne sollen die eigentlichen Gründer der Kehilla Groningen sein.
Juden durften sich nicht frei niederlassen. Sie mussten dafür die Genehmigung der zuständigen Behörden einholen. Übrigens galten für Nicht-Juden die gleichen Verfahren und Regeln. In Bezug auf die Ausübung eines Berufes galten für Juden jedoch Sonderregeln. Auf dem Land war ihnen ausschließlich das Schlachten, der Verkauf von Fleisch sowie der Handel erlaubt. In der Stadt durften sie nur im freien Handel tätig sein.
(RHC GrA VJS "Sammlung jüdischer Dokumente")
Emanzipation und Integration
1796 kam mit der Verkündung der bürgerlichen Gleichstellung ein Ende der zivilrechtlichen Ausnahmestellung der Juden. Vor dem Gesetz waren Juden und Nicht-Juden jetzt gleich. Im Jahre 1808 rief Ludwig Napoleon von Holland das so genannte Oberkonsistorium ins Leben. Dieses Organ hatte die Zentralverwaltung aller Jüdischen Gemeinden inne. Die Autonomie der Jüdischen Gemeinden gehörte damit der Vergangenheit an.
Die Wiederherstellung der niederländischen Unabhängigkeit im Jahre 1814 änderte in keinerlei Weise etwas an der Position der Juden. König Willem I und seine Berater dehnten vielmehr die Emanzipationspolitik noch weiter aus. In der Organisation der Juden änderte sich ebenfalls wenig. Die Stelle des Oberkonsistoriums wurde von der "Hoofdcommissie tot de Zaken der Israeliten" (Hauptkommission in Bezug auf Angelegenheiten der Israeliten) eingenommen. Die Hauptkommission war der Meinung, dass die Beherrschung der niederländischen Sprache für eine weitergehende Integration von entscheidender Bedeutung wäre. Lehrer an jüdischen Schulen, die meistens aus Polen stammten und ausschließlich Jiddisch sprachen, sollten in der niederländischen Sprache unterrichten. Auch Behörden und sonstige Funktionäre sollten die niederländische Sprache beherrschen.
Spannungen zwischen Reformern und Orthodoxen
Das Streben nach Gleichheit und Anpassung war mit neuen Ansichten in Bezug auf religiöse Angelegenheiten verbunden. Die Juden in Groningen standen stark unter Einfluss des sich erneuernden deutschen Judentums, wo die Reformbewegung immer mehr ihre Ideale verwirklichen konnte. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde führte 1848 Chorgesänge beim Gottesdienst ein. Für den orthodoxen Teil der Gemeinde war dies der Anlass, sich abzuspalten. 1852 gründete er eine neue jüdische Gemeinde unter dem Namen "Tesjuat Jisrael" (Rettung von Israel).
Auch an anderen Stellen in der Provinz führten religiöse Erneuerungen zu großen Spannungen und Abtrennungen orthodoxer Gruppierungen.
Die Landflucht
Anfang des 20. Jahrhunderts war die Jüdische Gemeinde von Groningen zu einer Gemeinschaft von 3000 Seelen angewachsen. Das kam vor allem durch Ansiedlung von Menschen aus den umliegenden Landgemeinden. Manche Landgemeinden verschwanden, während andere nur mühsam diverse Einrichtungen in Stand halten konnten. In der Stadt Groningen dagegen bauten die Juden eine imposante Synagoge.
1. Reihe: Hulda Lijon-Pinkus; Lea Kirschen-Schönfeld; Frieda Paula Rettkowski-Grossman.
2. Reihe: Martha Brügge-Badewitz; unbekannt; Gaje Schöps-Spruch.
(RHC GrA Tg 368 invnr. 22)
Besatzung und Deportation
Ab 1933 warfen die immer zunehmende Macht von Nazi-Deutschland und der anwachsende Antisemitismus ihre Schatten voraus. Der Einmarsch der Nazi-Armeen am 10. Mai 1940 war ein großer Schock. Langsam, Schritt für Schritt, verkündeten die Besatzer verschiedene Maßnahmen, die den Alltag der Juden immer mehr einschränkten und sie ausgrenzten.
Seit dem Sommer 1942 bis zum Ende des Jahres erfolgten die meisten Deportationen der Juden ins Durchgangslager Westerbork. Von hier aus wurden die Juden in einem wöchentlichen Zyklus nach Auschwitz und Sobibor deportiert und ermordet.
Von allen deportierten Juden in der Provinz Groningen überlebte nur ein sehr geringer Teil den Krieg. Ihre Zahl war so klein geworden, dass es, mit Ausnahme der Stadt Groningen, fast nirgendwo mehr Jüdische Gemeinden gab. Die jüdische Gemeinschaft der Stadt war so klein geworden, dass die 1906 eröffnete Synagoge 1952 verkauft wurde.


Eliazar Hildesheim war der Enkel eines jüdischen Waisenkindes aus Warschau.
