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Levy Ali Cohen: ein Reformer aus der "Mediene" (Provinz)


Die Lebensgeschichte von Ali Cohen veranschaulicht auf sehr einprägsame Art und Weise einige Aspekte und Entwicklungen,...

Aly Salomon Cohin, Vater von Levy Ali Cohen Aly Salomon Cohin aus Meppel, Vater von Levy Ali Cohen.
(Foto: Privatbesitz)
... die im Großen und Ganzen die jüdische Integration in den Niederlanden im neunzehnten Jahrhundert zum Ausdruck bringen.

Levy Cohen (den Zusatz Ali hat er erst später eigenhändig hinzugefügt) wurde am
6. Oktober 1817 in der kleinen Marktstadt Meppel in Drenthe als Sohn von Aly Salomons Cohin und Golde Noachs Levy ten Brink geboren. Sein Vater wurde 1786 als Sohn von Salomon Abrahams Cohin geboren. Seine Mutter war eine Tochter von Noach Levijs ten Brink und Marrigje Gotfriet aus Dwingeloo, einem Dörfchen in der Provinz Drenthe. Am Montag, 3 Chesjwan 5578 (13. Oktober 1807), fand die Beschneidung statt und Levy Cohen erhielt den Namen Jehuda Leib, Sohn von Saalman. Der Lehrer Benjamin Cohen, der seinerzeit als Mohel (Beschneider) auftrat, äußerte im Beschneidungsbüchlein den Wunsch, dass "er in Wohlstand aufwachsen möge."

Über die Jugend nichts bekannt


Der Mohel hat damals unmöglich erahnen können, wie glücklich dieses Leben verlaufen sollte. Denn es gab keineswegs Gründe, dies zu vermuten. In Bezug auf die Jugend und das Milieu, in dem Levy Cohen aufwuchs, tappen wir vollkommen im Dunkeln. Wir wissen nur, dass Benjamin Wolff, auch wohl Benjamin Hacham Cohen genannt, zufälligerweise auch als Mohel, seit 1799 als geistiger Ratgeber und Lehrer (Doktor des Gesetzes) tätig war. Er wird daher eine große Rolle im jüdischen Unterricht, dem Levy Ali Cohen folgte, gespielt haben. Aus Steuerangaben des Jahres 1813 wissen wir, dass seine Familie zu dem Zeitpunkt nicht zu der erfolgreichen jüdischen Elite von Meppel gehörte.

In Meppel gab es keine jüdische Schule und die meisten Kinder besuchten öffentliche Grundschulen. Religionsunterricht wurde den Kindern in den Abendstunden und am Sonntag erteilt. Wahrscheinlich hat auch Ali Cohen eine öffentliche Grundschule besucht. Er gehörte zweifellos zu den besten Schülern, denn anschließend sollte er die Lateinische Schule in Meppel besuchen. Der Abschluss einer solchen Schule war eine Bedingung für jeden, der später ein Universitätsstudium absolvieren wollte. Einem Kind aus armen Verhältnissen war dies selten vorbehalten. Und für ein Kind aus armen jüdischen Verhältnissen war eine solche Ausbildung in jener Zeit schon etwas ganz Besonderes.

Unterricht auf unterschiedlichem Niveau


In den Jahren, in denen Ali Cohen dort studierte, war der Unterricht an der Lateinischen Schule von unterschiedlichem Niveau. Der Latein- und Griechischunterricht konnte vor der Kritik bestehen, während Erdkunde und Geschichte durch die Inspektoren als ungenügend eingestuft wurden. Der Mathematik- und Geometrieunterricht wurde vom örtlichen Schulmeister und nicht von einem universitär geschulten Dozenten erteilt. Die Tatsache, dass man ihm die guten Absichten nicht absprach, war noch das Beste, was die Schulaufsichtsbehörde über seine didaktischen Qualitäten anmerkte.

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