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Die Familie Hildesheim: von Warschau nach Groningen


Der Groninger Arzt und Zionistdiesen Begriff im Glossar nachschlagen Eliazar Hildesheim war der Enkel eines jüdischen Waisenkindes aus Warschau.

Reisedokument für Philip Mozes Hildesheim, 1822 Reisedokument für Philip Mozes Hildesheim, um von Warschau nach London reisen zu können, 1822.
Abbildung: L. Ast Boiten en G. Zaagsma, De Folkingestraat. Geschiedenis van de joodse gemeenschap in Groningen, S. 94.
Sein Großvater Philip Mozes wurde am 14. Mai 1800 in Warschau als Sohn der Gasthofbetreiber Mozes Jesaja und Rebekka Izaaks Cohen geboren. Der Vater von Philip Mozes starb 1807 und seine Mutter im Jahre 1809.

Nach den früheren Teilungen wurde Polen beim Wiener Kongress im Jahre 1815 erneut aufgeteilt. Der größte Teil des Landes fiel dem Einflussbereich Russlands zu.
Zar Alexander I von Russland wurde auch König von Polen. 33% der Gesamtbevölkerung von Warschau war damals jüdisch. Die meisten von ihnen lebten in elenden Verhältnissen. Außerdem gab es stets eine starke Animosität seitens der nicht-jüdischen Bevölkerung den Juden gegenüber.

Klima der Armut


Dieses Klima der Armut und Feindseligkeit veranlasste Philip Mozes wahrscheinlich, sein Glück woanders zu versuchen. Am 9. Juli 1822 erhielt er ein im Namen von Alexander I ausgestelltes Reisedokument, das ihm erlaubte, aus familiären Gründen von Warschau nach London und zurückzureisen. In diesem Dokument wird sein Name als Liebe Moshowics Hildesheijm, sein Alter mit sechzehn angegeben. Das ist sechs Jahre jünger als er später in Groningen angibt.
Teil der "Urkunde der Bekanntheit" voor Philip Mozes Hildesheim Teil der "Urkunde der Bekanntheit", in der sieben Zeugen eine Erklärung über die Geburt und die Eltern von Philip Mozez Hildesheim ablegen.
(RHC GrA Tg 1634 Ehedokument vom 7.1.1830 nr. 3)
Vermutlich hat Philip Mozes Hildesheim (wie sein Name in Groningen geschrieben wird) weniger aus Eitelkeit, sondern eher aus Furcht vor der Einberufung in die Armee von Alexander I. bei seinem Alter gemogelt.

Polizeibeamte auf seiner Reiseroute schrieben auf der Rückseite des Passes Notizen. Deshalb wissen wir, dass ihm am 22. August in Hamburg die Genehmigung erteilt wurde, über Bremen nach Amsterdam zu reisen. Statt nach Amsterdam ging er nach Groningen.

Warum Groningen?


Warum er sich gerade hier niederließ, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben, aber ganz unbekannt war er in Groningen nicht. Das geht deutlich aus einem acht Jahre älteren Dokument hervor. Um heiraten zu können, musste er nachweisen, dass er wirklich derjenige war, der er zu sein behauptete. Normalerweise reicht dafür eine Geburtsurkunde oder ein Auszug aus dem Beschneidungsbuch, aber Philip Mozes konnte keine der beiden Unterlagen vorlegen und musste so seine Identität auf eine andere Art und Weise nachweisen.
Teil der "Urkunde der Bekanntheit" voor Philip Mozes Hildesheim Teil der "Urkunde der Bekanntheit", in der sieben Zeugen eine Erklärung über die Geburt und die Eltern von Philip Mozez Hildesheim ablegen.
(RHC GrA Tg 1634 Ehedokument vom 7.1.1830 nr. 3)
Das war damals möglich durch eine so genannte "Urkunde der Bekanntheit", in der sieben glaubwürdige Zeugen erklären, dass eine Person diejenige ist, die sie zu sein behauptet. Das auf Antrag von Philip Mozes erstellte Dokument gewährt einen faszinierenden Einblick in die Migrations- und Handelsströme am Anfang des 19. Jahrhunderts.

Von den sieben Zeugen wohnten zwei in direkter Umgebung seiner Eltern, einer war beim Tod seiner Mutter anwesend und die restlichen vier machten regelmäßig Geschäftsreisen durch Polen und wohnten dann im Gasthaus seiner Eltern.

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