Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Jozef Israels : von "Kritzeleien" zum Rembrandt des 19. Jahrhunderts


Ein Gemälde von Jozef Israels hängt im Zimmer des Premierministers von Israel im israelischen Parlament, der Knesset.

Ansicht auf die Nordseite des Fischmarktes, wo  Jozef Israels geboren wurde Das Geburtshaus von Josef Israels lag an der nördlichen Seite des Fischmarktes.
(Foto: RHC GrA Tg 1785 invnr. 2684)
In seinem Geburtsort Groningen wird er noch immer als der Rembrandt sehen Sie dazu einen kurzen Filmausschnitt des 19. Jahrhunderts angesehen.

Jozef Israels ist einer der wichtigsten jüdischen Künstler der Geschichte. Seine Malkarriere begann während seiner Jugend in Groningen. Seine Eltern gaben ihm eine jüdische Erziehung mit. Als alter Mann kehrte er immer wieder von seinem Wohnort Den Haag nach Groningen zurück. Dort wird er noch immer als ein echter Groninger Maler gesehen. Und als Rembrandt des 19. Jahrhunderts.
Foto von Josef Israel aus der Jüdischen Enzyklopedie Foto von Josef Israels aus der Jüdischen Enzyklopedie
Die jüdische Gemeinschaft in Groningen nahm stark zu, als Jozef Israels am 27. Januar 1824 das Licht der Welt erblickte. Es lebten damals ungefähr tausend Juden in der Stadt. Ein Vierteljahrhundert früher waren es nur annähernd vierhundert. Und die jüdische Gemeinschaft wuchs weiter an, ein Jahrhundert später bis auf etwa dreitausend Personen.

Reiche Oberschicht


Jozef Israels wurde als drittes Kind von Hartog Abraham Israels und Mathilde Polack geboren. Die Familie mit ihren zehn Kindern gehörte zu der reichen Oberschicht der Stadt Groningen und konnte sich ein vornehmes Herrenhaus am Vismarkt 86 erlauben, gerade außerhalb des jüdischen Volksviertels.

Vater Hartog Abraham handelte mit Wertpapieren. Mutter Mathilde Polack war die Tochter eines Apothekers aus Leeuwarden. In der Familie bestand viel Interesse an Kunst und Religion. Das elterliche Haus am Vismarkt war möglicherweise ein guter Nährboden für Jozefs spätere künstlerische Entwicklung. Im Schlafzimmer seiner Eltern hing eine französische Tapete mit der Darstellung einer Weinernte mit Figuren mit Körben voller Weintrauben auf dem Rücken und Mädchen, die Trauben lasen. Die Wand im Salon war mit einem aufgetakelten Kriegsschiff bemalt, das eine Kanone abschoss. Als er bereits alt war, konnte sich Israels noch daran erinnern.
Die alte Synagoge an der Folkingestraat in Groningen Die alte Synagoge an der Folkingestraat in Groningen.Jozef Israel bewahrte sich waehrend seines gesamten Lebens die romantische Erinnerung wie er im Winter zusammen mit seinem Lehrer Cohen vor den vereisten Fenstern stand und betete.

Traditionelle jüdische Erziehung


Jozef Israels wurde traditionell jüdisch erzogen. Im Jahre 1837 feierte er Bar-Mizwa (volljährig nach den jüdischen Regeln). Dieses Ereignis machte einen großen Eindruck auf ihn. Im späteren Leben konnte er sich noch gut an einen Vers aus Exodus erinnern, den er bei seiner Bar-Mizwa in der alten Synagoge in der Folkingestraat vorlesen musste: "Sieh, Ich sende einen Engel vor Ihr Angesicht, um Sie auf diesem Weg zu schützen, und um Sie an den Ort zu bringen, den Ich Ihnen bereitet habe." Der Vers wurde, wahrscheinlich auf seinen Wunsch, auf Israels Grabstein angebracht.

Im Haus der Israelsī wurde traditionell jüdisch gelebt: die Speisegesetze wurden befolgt, indem koscher gegessen wurde, am Sabbat  diesen Begriff im Glossar nachschlagenwurde nicht gearbeitet und die jüdischen Festtage wurden gefeiert. Jozef besuchte, wie alle anderen jüdischen Kinder, eine öffentliche Schule. Möglicherweise besuchte er nebenbei die jüdische Schule Tipereth Bachurim (Zierde der jungen Männer) in der Stadt. Dort wurde Hebräisch, die Tora  diesen Begriff im Glossar nachschlagenund der Talmud  diesen Begriff im Glossar nachschlagengelehrt.

Auf jeden Fall erhielt er Hebräischunterricht von einem polnischen Juden, der in der Folkingestraat wohnte, Isaac Jojada Cohen. Die Unterrichtsstunden dienten der Vorbereitung auf Israels Bar-Mizwa. Vielleicht dank des Unterrichts von Cohen beherrschte Israels später gut Hebräisch und zitierte jüdische Redewendungen.

Die Beziehung zwischen Israels und seinem Lehrer Cohen muss ziemlich eng gewesen sein. Das ergibt sich auch aus der nachfolgenden Geschichte, die Israels später erzählte. Cohen war schon fast achtzig und nahezu blind. Der zwölfjährige Israels brachte, wie er sagt, den alten Cohen regelmäßig im Winter, durch Wind und Schnee, in die Synagoge in der Folkingestraat. Dort standen sie dann zusammen vor den zugefrorenen Fenstern und beteten. Es ist ein romantisches Bild, wie diese später oft auf Israels Gemälden zu finden sind.

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