Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Entspannung und Anstrengung im eigenen Kreis


Das Gefühl zu einer jüdischen Subkultur zu gehören, führte zur Gründung jüdischer Freizeitvereine.

Liste jüdischer Vereine in Groningen, wahrscheinlich unvollständig Liste religiöser und nicht-religiöser jüdischer Vereine in Groningen, wahrscheinlich unvollständig.
(L. Ast-Boiten en G. Zaagsma (red.) De Folkingestraat. Geschiedenis van de joodse gemeenschap in Groningen, S. 60-61)
Versäulung ist ein typisch niederländisches Phänomen. Es bedeutet, dass sich die Bevölkerung auf religiöser und weltanschaulicher Basis organisiert. Die Gesellschaft kannte vier Hauptsäulen: die katholische, die protestantisch-christliche, die sozialistische und die neutrale oder liberale. Jede Säule hatte ihre eigenen Organisationen auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens: Politik, Gewerkschaft, Bildung, Gesundheitspflege, Medien, Jugendbewegung und Sport.

Zu einer jüdischen Säule ist es nie gekommen. Dafür war die Zahl der Juden in den Niederlanden zu gering. Aber es gab sehr wohl eine breite jüdische Zusammengehörigkeit oder eine jüdische Subkultur. Diese hatte ihre Wurzeln im Zusammengehörigkeitsgefühl oder der Solidarität mit dem Judentum. Außerdem wollte man sich an einem spezifischen sozialen jüdischen Leben beteiligen, da man nun mal in einem "jüdischen Viertel" wohnte, oder von zu Hause "jüdische Bräuche" mitbekommen hatte; auch bei denen, die nicht mehr religiös waren. Das war oft der Grund, dass Juden sich bei nicht-jüdischen Vereinen weniger heimisch fühlten.
Der jüdische Theaterverein "Nut en Vermaak" aus Appingedam, circa 1899 Der 1889 gegründete jüdische Theaterverein "Nut en Vermaak" aus Appingedam bei seinem zehnjährigen Jubiläum im Jahre 1899.
(Foto: RHC GrA Tg 818 invnr. A16-167d)

Anti-jüdische Emotionen


Die Niederlande kannten keinen starken Antisemitismus, aber dennoch gab es anti-jüdische Emotionen. Dieser Anti-Judaismus basierte auf religiösen und sozialen Klischees; die Juden weigerten sich den Messias zu akzeptieren, wären unzuverlässig im Geschäft. Vor allem im persönlichen Lebensbereich kamen solche Gefühle zum Ausdruck. Das war oft ein Grund dafür, dass sich Juden in nicht-jüdischen Vereinen nicht wohl fühlten.

In Städten, in denen die jüdische Bevölkerung zahlenmäßig groß genug war, entstanden vor allem am Ende des 19. Jahrhunderts allerlei Geselligkeitsvereine. Eigentlich war dieses Phänomen ein Spiegelbild der Lage in der gesamten niederländischen Gesellschaft, in der Ende des 19. Jahrhunderts eine deutliche Zunahme sozial orientierter Vereine auszumachen war.
Mitglieder des Turnvereins "Atilla" im Jahre 1908 Mitglieder des Turnvereins "Atilla" aus Anlass des zehnjährigen Bestehens 1908.
(Foto: RHC GrA Tg 1769 invnr. 10772)

Zionismus spielte wichtige Rolle


In Bezug auf die jüdischen Sportvereine spielte auch der aufkommende Zionismus eine wichtige Rolle. Zum Zeitpunkt des zweiten zionistischen Weltkongresses im Jahre 1898 in Basel plädierte der Publizist Max Nordau (1849–1923) für ein "muskulöses Judentum".
Sein Aufruf führte in ganz Europa zu der Gründung jüdischer Turnvereine. Die Gründung des jüdischen Turnvereins Attila in der Stadt Groningen ist wahrscheinlich eine direkte Folge des Aufrufs von Nordau. Der Höhepunkt des Vereinslebens war jedoch nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), als auf verschiedenen Gebieten (Sport, Musik, Theater, Gesang und Tanz) jüdische Vereine gegründet wurden.

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